Geschichte der SPD Alfeld

Arbeiterslums

Der Ortsverein Alfeld ist einer der ältesten SPD-Ortsvereine, als er am 12. April 1874 gegründet wurde, war die Partei gerade 11 Jahre alt. Dieser Teil unserer Homepage soll einen kleinen geschichtlichen Rückblick ermöglichen. Reisen Sie mit uns in die Vergangenheit und lernen Sie die Zukunft besser zu verstehen!

1848 - 1890 - Der Aufbruch

Deutschland ist zu Beginn der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Land mit krassen sozialen Gegensätzen: Fast die Hälfte der Bevölkerung zählt zur Unterschicht, die nur notdürftig ihr Leben fristet.

Wer Fabrikarbeit findet, ist völlig von den Besitzenden abhängig. Kinder- und Nachtarbeit sind üblich. Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich und eine 7-Tage-Woche sind Normalität. Unvorstellbare Not großer Bevölkerungsgruppen und steigender Wohlstand einer kleinen Schicht von Kapitalisten kennzeichnen diese Zeit.


 

 

Das Proletariat

Handwerker, Landarbeiter und Bauern bilden das Proletariat, in der Übergangzeit zur Industriegesellschaft entsteht die Arbeiterklasse. Sie ist zunächst unorganisiert und politisch ohne Macht.

Im März 1848 bricht in Deutschland eine Revolution aus. Das Volk fordert ein gemeinsames Parlament, Versammlungs- und Pressefreiheit. Diese Phase ist jedoch nur von kurzer Dauer, 1848 lehnt der König von Preußen eine vom Vorparlament in der Frankfurter Pauluskirche beschlossene Reichsverfassung ab. Bald darauf kommt es zu neuen Aufständen, die jedoch von den Herrschenden blutig niedergeschlagen werden. Die Revolution endet, aber: Die Arbeiterbewegung erwacht.

Der Arbeiter Bildungsverein Alfeld

Aus Zeitungsarchiven war in Erfahrung zu bringen, dass im Jahre 1852 ein Arbeiter-Bildungsverein gegründet wurde. Nach kurzer Zeit des Bestehens wurde dieser im Jahre 1858 neu gegründet. Dieser Verein kann wohl als Ursprung der sozialdemokratischen Aktivitäten in Alfeld bezeichnet werden, außerdem ging aus ihm ein Turnverein hervor. Am 18. 12. 1868 wurde in einem weiteren Bericht über die Versammlung eines Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Sinne der Lassalleanischen Arbeiter-Partei berichtet. Man kann sicher von einem Vorläufer der Alfelder SPD sprechen, einen festen Vorstand hatte dieser Verein jedoch nicht.






 

Ferdinand Lassall

1863-1890 Der Weg zur Massenorganisation

Deutschland ist zu Beginn der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Land mit krassen sozialen Gegensätzen: Fast die Hälfte der Bevölkerung zählt zur Unterschicht, die nur notdürftig ihr Leben fristet.

Im August 1869 gründen August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei" (SDAP). 1875 vereinigen sich die beiden großen Arbeiterparteien in Gotha zur "Sozialistischen Arbeiterpartei" (SAP), die bei der Reichstagswahl 1877 immerhin 9,1 % der Stimmen und somit 12 Sitze im Reichstag erhält.

 

 
Sozialisten

Das Sozialistengesetz

1878 erlässt Reichskanzler Bismarck ein "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie". Es blieb 12 Jahre in Kraft und bedeutete das Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, den ihr nahestehenden Gewerkschaftsorganisationen und der Parteipresse. Viele Sozialdemokraten wurden verhaftet, aus ihren Wohnorten vertrieben und ins Exil gedrängt.


 

 
Wahlrecht für Frauen

Nach 1890 ein neuer Anfang

Auch für Alfeld ist eine neue Zeit angebrochen. Der Ortsverein, der sich in diesen schwierigen Jahren nach seiner Gründung auf und ab bewegte, konnte erst nach 1890, nach Beendigung des Sozialistengesetzes, seine Arbeit wieder aufnehmen.
Leider sind aus dieser Zeit keine Protokolle mehr vorhanden. In der Zeitung standen aber immer wieder Berichte über Maifeiern oder über Volksversammlungen.

Auszug aus einem Zeitungsbericht vom 3. Mai 1890:
"Der 1. Mai verlief hier in völliger Ruhe, in keinem Betrieb wurde von den Arbeitern gefeiert. Abends fand im Tivoli eine nicht gerade zahlreich besuchte öffentliche Volksversammlung - es können etwa 250 Personen, darunter eine ziemliche Anzahl Nichtsozialisten, anwesend gewesen sein - statt. ...

Sozialdemokratischer Wahlverein 1900

Im Archiv der Stadt Alfeld wurde eine Akte aus dem Jahre 1900, betreffend einer "Zahlstelle des sozialdemokratischen Wahlvereins des 10. Hannoverschen Wahlkreises in Hildesheim zu Alfeld", gefunden. In dieser Akte sind Versammlungsunterlagen, Schreiben und Protokolle enthalten, die Rückschlüsse auf die sozialdemokratische Arbeit in Alfeld zu dieser Zeit zulassen. So fanden die Mitgliederversammlungen des 10. sozialdemokratischen Hannoverschen Wahlkreises jeden 2. Sonntag im Monat, von 4.00 Uhr nachmittags an, im Concerthaus Tivoli statt. Ferner wird erwähnt, dass es sich der Verein zur Aufgabe machen werde, Missstände, welche in den Industriebetrieben vorkommen würden, zur Sprache zu bringen. So tauchen in Versammlungsprotokollen Berichte wie diese auf:

...Hierbei wurde seitens des Müllers Lockemann bemerkt, daß Müllergesellen bei dem Mühlenbesitzer Strobell, hierselbst, länger als 16 Stunden arbeiten müßten, ebenfalls, daß bei demselben an mehr als ihm zustehenden Sonntagen gearbeitet werde.


 

 
1. Weltkrieg

Die Sozialdemokraten nach 1900

Der 1. Weltkrieg
In der Zeit von 1914 bis 1918 gab es wenig örtlich politische Aktivitäten. Auch die Presse berichtete nur wenig über Parteien und deren Arbeit. Viele Männer waren an der Front, die Frauen mussten die Familien versorgen und die Männerarbeit in den Betrieben leisten. Das Ende des 1. Weltkrieges brachte auch das Ende des Kaiserreichs. Die Volksbeauftragten veröffentlichten eine große Erklärung, in der unter anderem verkündet wurde:

"Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan unter dem gleichen, direkten, allgemeinen Wahlrecht für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen. Auch für die Konstituierende Versammlung, über die nähere Bestimmungen noch erfolgen werden, gilt dieses Wahlrecht."

Arbeiter- und Soldatenrat in Alfeld

Nach dem Krieg waren die Sozialdemokraten sofort bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Im ganzen Land begehren Arbeiter und Soldaten gegen die zivile und militärische Obrigkeit auf. Es treibt sie das Verlangen nach Frieden, Freiheit und Brot. In der Stadt Alfeld galt nicht nur, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Zurückströmende Soldaten mussten aufgenommen, verpflegt und versorgt werden. In Alfeld wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, an dessen Spitze der Sozialdemokrat Richard Hecht die Verantwortung übernahm. Später war es Wilhelm Beushausen, der diese Aufgaben durchführte. Auch in den Ortschaften im Umland der Stadt wurden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet.


Am 1. März 1919 berichtet die Nds. Volkszeitung über eine Versammlung, auf der das Sozialdemokratische Kommunalwahlprogramm vorgetragen und diskutiert wurde. Forderungen waren u. a.:

• Abschaffung aller Vorrechte des Besitzes, Abschaffung des Magistrates, souveränes Recht für gewählte Bürgervorsteher.

• Reform des Steuerwesens, im Bildungswesen die Einheitsschule, Befreiung von der geistigen Schulaufsicht, Freiheit der Lehre und Lehrmittel, Fortbildungsschulen für Jungen und Mädchen.

• Schaffung von Gesundheitsämtern, hygienischen und sozialen Einrichtungen, Spielplätze und Parkanlagen.

Zur Bürgervorsteherwahl 1919 waren 23 Kandidaten aufgestellt. Spitzenkandidat war der spätere Landrat des Kreises Alfeld, Wilhelm Beushausen. Gewählt wurden 11 Kandidaten dieser Liste. Der damalige Rat der Stadt hatte 26 Mitglieder.


 

 

1919 -1933:
Revolution und Kampf um die Demokratie


Die deutschen Sozialdemokraten, eine Arbeitergeneration die die Hölle des Krieges hinter sich hatte, gab die Rolle der Opposition auf und übernahm die Regierung im besiegten und ausgeblutetem Land. Die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik war in hohem Maße das Werk der SPD.
In der kurzen Zeitperiode der Weimarer Republik setzten die Sozialdemokraten Reformen, wie das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer für alle Parlamente, den achtstündigen Arbeitstag, Verordnungen über Tarifverträge, Koalitionsrechte und Erwerbslosenfürsorge (Arbeitslosengeld) durch. Forderungen um die im Kaiserreich jahrzehntelang vergeblich gekämpft worden war.
1919 wird der Sozialdemokrat Friedrich Ebert (Sohn eines Schneidermeisters) erster deutscher Reichspräsident. Ebert starb 1925 an den Folgen einer Operation.

Reichstagswahl 1920

Für die Stadt Alfeld wurden am 8. Juni 1920 folgende Wahlergebnisse bekanntgegeben.

Wähler in der Stadt Alfeld:… … … …4.064

Wahllokal Kaiserhof … … … … … … 1.410 gewählt 1.236

Wahllokal zur Post… … … … … … …1.371 gewählt 1.124

Wallokal Vereinshaus… … … … … …1.283 gewählt 1.115

insgesamt gewählt 85,5 % … … …= 3.475 Einwohner
gegenüber 1919 mit 91 %

Die Einwohnerzahl 1919 beträgt 6.940 EW, d. h. dass etwa 50 % der Einwohner gewählt haben!

___________________________1920_______ 1919 _____Kreis

Liste Brey, Sozialdemokraten___1.015 ______ 1.869 ____5.846
Liste Golshorn, D.Han.P ________ 334 ________ 338 ____1.865
Liste Maxen, Zentrum__________ 135 __________ - ______630
Liste Heise, Demok. Partei ______475 ________ 998 ____1.028
Liste Düsche, DVP _____________718 ________217 ____2.816
Liste Eckhardt, N. SPD _________ 560 __________ - ____ 2.466
Liste Helfferich, Deutsch N. P. ____ 69 _________14 ______537
Liste Zetkin, KPD ______________173 __________- ______194


Abgesehen von diesen dokumentierten Wahlergebnissen konnte erstmals wieder am 29.01.1924 ein Bericht über die Sozialdemokraten den Archiven entnommen werden. Hier wurde dann von abgehaltenen Versammlungen, verschiedenen Aktionen und Stellungnahmen zu politischen Themen der Sozialdemokraten berichtet.


 

Börsenkrach, Arbeitslosigkeit, Hindenburg und Adolf Hitler!

Verbot der SPD 1933


Der große Börsenkrach in New York 1929 hat verheerende Wirkungen auf die Weltwirtschaft. Besonders betroffen ist Deutschland. Wirtschaftsunternehmen machen Pleite, Fabriken werden geschlossen. Die SPD nimmt den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf, doch 6 Mio. Arbeitslose erschüttern das Vertrauen der Menschen zum Staat von Weimar. SA und Stahlhelm erobern die Straße, braunes Gedankengut macht sich in den Köpfen breit, es werden Schuldige gesucht!

Am 30. Januar 1933 hat die NSDAP ihr Ziel erreicht: Reichspräsident Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler.

Deutschlands schwärzestes Kapitel bricht an. Der Reichstag übergibt Adolf Hitler die Herrschaft. Nur die Sozialdemokraten - auch sie schon durch Verfolgung dezimiert - stimmen 1933 gegen ein Gesetz, dass die Demokratie zu Tode bringt. Zwölf Jahre später blickt die Welt anklagend auf Deutschland, dass sich am Tod und an der Ermordung vieler Millionen Menschen schuldig gemacht hat.


Der Alfelder Landfriedensbruchprozeß

Am 10. Juli 1932 fand eine Sternfahrt nach Bockenem statt, an der sich rund 3000 Angehörige der eisernen Front beteiligten. Auf der Rückfahrt der Sternfahrer kam es dann zu Vorfällen, die die Ursache des Prozesses, der acht Tage dauern sollte, bildeten. Die Sternfahrer wurden von gröhlenden Nazi-Horden immer wieder angegriffen. Die Nazihorden maßten sich Polizeigewalt an und rückten schließlich gegen die Sternfahrer mit Kampfgeschrei "Straße frei, die Straße gehört der SA", vor. Am Alfelder Friedhof kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Sternfahrern und Nazis, die schließlich in einer Prügelei mündeten. Die Schlägerei setzte sich auf dem Alfelder Marktplatz und unter der Kirche fort. Bei der Prügelei sind wenige Nazis, etliche Sternfahrer und einige Polizisten verletzt worden.

Der Prozeß endete nach 8 Tagen mit der Verurteilung beider Gruppen, wobei die Hildesheimer Zeitung von einem harten Urteil gegen die Sternfahrer und größter Milde gegen die Nazi-Angeklagten berichtete.


Arbeit im Untergrund und im Exil

Nach dem Brand des Reichtagsgebäudes im Februar 1933 werden wichtige Verfassungsrechte außer Kraft gesetzt. Die Kommunistische Partei wird verboten, die Presse der Sozialdemokratie wird unterdrückt, viele ihrer Funktionäre von den Nazis mißhandelt und verhaftet. Im Juni 1933 wird die Sozialdemokratie ganz verboten. Viele gehen ins Exil, andere schließen sich Widerstandsgruppen im Untergrund an - Hunderttausende werden verfolgt, verhaftet, ermordet.

Während der nationalsozialistische Wahn Deutschland in die Katastrophe treibt, bereiten sich Sozialdemokraten (unter ihnen auch Willy Brandt) im Exil auf einen Neuanfang vor.


 

Alfelder SPD-Jugend 1930

Am 12. März 1933 fand die erste Wahl des Bürgermeister-
kollegiums in Alfeld mit den Nationalsozialisten statt. Die Nazis erhielten auf Anhieb 1.651 Stimmen, die SPD erhielt 1.481 Stimmen, die KPD 335 Stimmen, die Nationale Volksgemein-
schaft 838 Stimmen und die Notgemeinschaft 73 Stimmen.

Daraus ergab sich folgende Sitzverteilung:

NSDAP _____________5 Sitze

SPD _______________5 Sitze

Nationale Volksgem. 3 Sitze

KPD _______________1 Sitz


Die NSDAP und die Nationale Volksgemeinschaft hatten die absolute Mehrheit. Bei der ersten Sitzung des Bürgerkollegiums am 30. März 1933 fehlten drei der fünf Bürgervorsteher der SPD, sie befanden sich in Schutzhaft. Damit war letztendlich auch die Arbeit der Alfelder SPD "stillgelegt"!


SPD Alfeld nach 1945 - Ein Neubeginn!

Unter Kurt Schuhmacher, der eine Vereinigung der SPD mit den Kommunisten kategorisch ablehnte, formiert sich die SPD in den Westzonen neu. In der Ostzone tauft sich die KPD in SED um und nimmt die Sozialdemokratie in Gefangenschaft. Mehr als 5.000 SPD-Mitglieder werden verhaftet. Tausende flüchten in den Westen.

Die erste Zusammenkunft der alten Alfelder SPD Genossen nach dem 2. Weltkrieg fand am 28. August 1945 in der Gaststätte "Am Hörsumer Tor" statt.
August Herbeck konnte seinerzeit eine Anzahl von Genossen begrüßen, die auch schon vor dem Verbot der Partei aktiv mitgearbeitet hatten. 12 Jahre waren seit dem Verbot der SPD vergangen!

Der Genosse Richard Hecht, der nach vielen Jahren des Leidens und der Entbehrung im Konzentrationslager wieder zu Hause war, dankte allen anwesenden Sozialdemokraten für ihre Bereitschaft, die SPD in Alfeld wieder aufzubauen. Zu den Aufgaben, die sich der Ortsverein stellte, gehörten insbesondere:

Neuordnung der Partei, Mitgliederwerbung, Unterstützung bei der Bildung von Gewerkschaften, Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt und Hilfe bei der Bildung von Sportvereinen. Die Jugendarbeit wurde als ein zentraler Punkt herausgestellt.

Wenn Sie mehr über die Geschichte der Alfelder SPD, über Namen und Daten erfahren wollen, können Sie unser Buch "115 Jahre SPD Alfeld 1874-1989" bestellen. An einer Erweiterung über die Jahre 1990 bis heute wird zur Zeit gearbeitet.